Lohnen sich Bausparverträge zur Immobilienfinanzierung noch?

Vor einigen Jahren, besser vor Jahrzehnten, waren Bausparverträge das Nonplusultra und wurden gerne für eine spätere Immobilienfinanzierung abgeschlossen. Doch auch vor den Bausparern macht das niedrige Zinsniveau keinen Halt. Es stellt sich also durchaus die Frage, ob sich ein Bausparvertrag noch lohnt oder ob andere Lösungen nicht sinnvoller sind – oder? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Der Bausparvertrag gehört zu den Sparverträgen. Eigentlich war er dazu gedacht, Personen, die kein Eigenkapital hatten, eine Immobilienfinanzierung zu ermöglichen. Der Abschluss des Bausparvertrags bewirkte, dass nicht nur Geld angespart wurde, sondern zum späteren Zeitpunkt auch ein günstiges Baudarlehen aufgenommen werden konnte. Und das funktioniert so:

  • Ansparphase - während dieser Phase zahlt der Bausparer monatlich einen festen Betrag in den Vertrag ein. Es wird eine Bausparsumme festgelegt, die später aus dem Guthaben plus einem Bauspardarlehen besteht. Das monatlich eingezahlte Geld wird verzinst, wobei heute oft sehr geringe Zinsen gelten.
  • Zuteilung - sie findet statt, wenn ausreichend Guthaben angespart wurde und der Vertrag nach einer internen Bewertung „an der Reihe ist“ (Zuteilungsreife). Bausparer können sich nun entscheiden, was sie mit dem Vertrag machen möchten. Sie können sich das Guthaben vollständig auszahlen lassen, aber auch ein günstiges Darlehen nutzen.
  • Darlehensphase - wer sich für das Darlehen entscheidet, erhält die gesamte im Vertrag ausgewiesene Summe ausbezahlt. Das Bauspardarlehen muss schließlich anstelle der bisherigen monatlichen Beträge getilgt werden.

Wo liegen die Vorteile?

Ein Bausparvertrag gewährt einen Rechtsanspruch auf ein günstiges Baudarlehen. Zugleich baut der Sparer ein Eigenkapital auf, welches sich mit dem Darlehen gemeinsam als nützlich bei einer Finanzierung der eigenen Immobilie erweist. Die Vorteile auf einen Blick:

  • Sicherheit - ein Bausparvertrag ist eine der sichersten Anlageformen, da das Geld nicht gehandelt wird. Zudem sind Überraschungen kaum zu vermuten, da die Zinsen schon beim Vertragsbeginn über die geplante Laufzeit festgelegt werden.
  • Flexibel - ein Bausparvertrag kann zum Bauen genutzt werden. Das angesparte Geld lässt sich allerdings auch anderweitig verwenden. Sobald jedoch das Darlehen in Anspruch genommen wird, ist der Zweck vorgeschrieben: Bau oder Kauf  einer selbst bewohnten Immobilie (jeder Art). Achtung: Wer das 25. Lebensjahr überschritten und sich Wohnungsbauprämien gesichert hat, muss diese eventuell zurückzahlen, wenn der den Bausparvertrag nicht für den kauf oder Bau einer Immobilie nutzt.
  • Zuschüsse - der Staat fördert Bausparverträge. So können sie mit Wohnungsbauzuschüssen oder Riesterförderungen kombiniert werden.
  • verschenkbar - ein Bausparvertrag muss nicht auf die eigene Person abgeschlossen werden. Viele Eltern und Großeltern nutzen den Bausparvertrag, um dem Kind oder Enkelkind einen guten Start in die Volljährigkeit zu geben. So wird die Laufzeit bis zum 18. Geburtstag oder dem 25. Geburtstag festgelegt. Das Kind kann nun entscheiden, wie es das Geld nutzt.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass die aufgenommenen Baudarlehen nicht unbedingt erstrangig ins Grundbuch aufgenommen werden müssen. Somit kann die eigentliche Baufinanzierung erstrangig eingetragen werden, was gegenüber der Bank stets vorteilhaft ist.

Wo liegen die Nachteile?

Der Bausparvertrag stammt aus einer Zeit, in der anderweitige Sparmöglichkeiten rar gesät waren. Wahlweise legte man das Geld im Bausparvertrag an oder aber, es wurde aufs Sparbuch gebracht. Der Bausparvertrag half so doppelt, denn das eingezahlte Geld war nicht greifbar, zudem gab es gute Zinsen und die Chance auf das Darlehen. Mittlerweile sind die Nachteile aber deutlich vorhanden:

  • Zinsen – die Sparzinsen sind dem Niedrigzins zum Opfer gefallen und kaum noch der Rede wert. Oft genug handelt es sich schon um Minuszinsen, also wird von der Einzahlung praktisch ein kleiner Betrag abgezogen.
  • Darlehen – dieses wird zugeteilt. Man weiß zwar, ab wann diese Zuteilung möglich ist, doch kann sich der Prozess hinziehen. Somit steht nicht unbedingt dann das Geld zur Verfügung, wenn die Traumimmobilie greifbar ist. Dies kann gerade in Gebieten mit hoher Nachfrage zum Problem werden. Denn die wenigstens Verkäufer von Bestandsimmobilien sind dort darauf angewiesen, auf einen einzelnen Käufer zu warten. Wer erst auf die Zuteilung warten muss, der bekommt unter Umständen nicht die gewünschte Immobilie.
  • Kündigung – spielt das eigene Leben nicht mit und es muss vorzeitig auf den Bausparvertrag zurückgegriffen werden, so ist eine ordentliche Kündigung mit einer Frist von drei bis sechs Monaten möglich. Wer das Geld schneller möchte, der zahlt einen Auszahlungsabschlag. Zudem verfallen die Bausparzinsen, zudem geht der Anspruch auf das Darlehen verloren.
 

Mittlerweile gibt es gute Alternativen, die den Bausparvertrag ersetzen:

  • Tagesgeldkonto – je nachdem, welche Zinsen gegeben werden, kann sich das Konto lohnen. In den letzten 3-4 Jahren lassen sich jedoch kaum noch sinnvolle Renditen erzielen.
  • Festgeldkonto – auch dieses kann sich lohnen, jedoch ist die Zeitspanne der festen Anlage wichtig. Eine vorzeitige Kündigung ist im Normalfall nicht möglich.
  • ETFs – sie sind die sinnvollste Alternative. Durch die breite Streuung wird das Risiko markant gesenkt. Die Rendite ist wesentlich besser als die von Tages- und Festgeldkonten. Zudem haben ETFs den Vorteil, dass sie ständig variiert werden können. Nutzer können monatlichen einen Fixbetrag einzahlen, aber auch Sonderzahlungen leisten. Was allerdings zu beachten ist, dass auch in ETFs über mehrere Jahre investiert werden sollte. Im Regelfall werden mindestens fünf, besser noch zehn Jahre empfohlen. Dafür können Sparer im Ernstfall mühelos ihr Geld abrufen, denn es gibt keine Kündigungsfristen.

Der Nachteil der Alternativen ist wiederum, dass kein Anspruch auf ein günstiges Bauspardarlehen besteht. Dafür lässt sich oft ein höheres Eigenkapital aufbauen, welches schon ausreicht, um eine Immobilienfinanzierung zu erhalten. Nachdem DIY beliebt ist, werden viele Häuslebauer automatisch auf Eigenleistungen zurückgreifen, die oft ebenfalls als Eigenkapital angerechnet werden können.


Fazit – auch nach Alternativen schauen

Der Bausparvertrag ist heute nicht unbedingt mehr auf dem Zahn der Zeit. Dennoch ist er nicht schlecht und kann durchaus als zusätzliche Säule in der Bauplanung genutzt werden. Doch die Niedrigzinsen weisen sich im Bausparvertrag immer mehr aus. Als Alternative oder zusätzliche Säule empfehlen sich ETFs aufgrund ihrer deutlich höheren Rendite, aber auch Tages- oder Festgeldkonten können, je nach Verzinsung und Regelungen, zur Finanzierung mit genutzt werden.
 

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Bildquellen: © unspalsh.com/Markus Spiske | © unspalsh.com/Tierra Mallorca

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