Einbruchschutz – und warum er nie vernachlässigt werden sollte

Deutschland ist vergleichsweise ein ziemlich sicheres Land. Doch auch hier gibt es Kriminelle, die es auf das Hab und Gut von Menschen abgesehen haben. Und diese „arbeiten“ beileibe nicht nur in Großstädten, sondern deutschlandweit. Sein Haus in eine vergitterte „Festung“ zu verwandeln ist zwar nicht notwendig, aber ein gesunder Einbruchschutz beginnt bereits beim Bau – und zieht sich bis in das richtige Alltagsverhalten hinein.

 

1. Zahlen und mehr

Deutschland ist auch ein Land der Statistiken. Daher wissen wir sehr genau, wie die Einbruchssituation aussieht. 2019 gab es in ganz Deutschland 87.145 Fälle von sogenanntem Wohnungseinbruchsdiebstahl – Amtsdeutsch für Einbrüche.

Diese Zahl mag zwar von Kriminalisten und Politikern gefeiert werden, denn Mitte der 2010er lag sie noch doppelt so hoch. In der sprichwörtlichen Sicherheit wiegen sollte man sich deshalb jedoch nicht – die gesamtdeutsche Aufklärungsquote liegt bei unter 20 Prozent, stieg seit 2015 nur um wenige Prozentpunkte.

Zwar finden viele Einbrüche in Städten statt. Doch seit Jahren beobachten Kriminalisten eine Täter-Abwanderung aufs Land. Hier sind vor allem in weitgehend anonymen „Schlafdörfern“, in denen viele Pendler wohnen, rasche Zugriffe und anschließend ein spurloses Verschwinden möglich. Sind die Einbrecher erst einmal auf einer Bundesstraße oder Autobahn, können sie hunderte Kilometer zurücklegen, bevor die Tat überhaupt bemerkt wird.

Auch ein großes Problem: Viele Menschen denken bei Einbrüchen nur an den Verlust von Wertgegenständen – und wiegen sich, weil diese von der Hausratversicherung erstattet werden, in trügerischer Sicherheit. Tatsächlich sind entwendete Gegenstände jedoch nur ein Nebenfaktor. Weitaus schlimmer wiegt die oftmals verkannte psychologische Komponente:

  • Das Haus ist der wichtigste Rückzugsort eines Menschen. Als solcher ist er auch im Unterbewusstsein verankert.
  • Ein Einbruch stellt ein ungewolltes Eindringen in diesen äußerst intimen Rückzugsbereich dar.
  • Wird dieser Rückzugsort auf diese Weise „verbrannt“, verliert unser Gehirn einen wichtigen Ankerpunkt.

Die Folgen sind dramatisch und wurden auch bereits wissenschaftlich untersucht: Viele Menschen leiden unter einem Einbruch psychisch wesentlich stärker als unter den entwendeten Werten:

  • Schlaflosigkeit,
  • Albträume,
  • Unwohlsein,
  • Daueranspannung,
  • Unsicherheitsgefühle,
  • Hilflosigkeit.

Diese Faktoren halten oft für Wochen, gar Monate an. Manchmal kehrt das Gefühl der Sicherheit auch niemals zurück – eine fürchterliche Konsequenz in einem vielleicht erst jüngst erworbenen Eigenheim.
Die wichtigste Regel, die man daraus mitnehmen sollte, ist folgende:

Ignorieren hilft kein Stück. Jedes Haus in jedem Ort kann zum Einbruchsziel werden.
Und kein Einbruchschutz kann so teuer sein, dass er die mit einem erfolgreichen Einbruch
verbundenen psychischen Folgen überwiegt.


Doch welche Techniken sollte man denn, idealerweise schon während der Planungsphase seines Eigenheims, in Betracht ziehen?

2. Technik für Abschreckung und Schutz

Googelt man „Einbruchschutz“ findet man zigtausende Möglichkeiten, die alle in Anspruch nehmen, optimal zu sein. Doch vor allem unter der Prämisse, wie die Majorität der Einbrecher vorgeht, genügen einige davon. Denn „der Einbrecher“ ist kein Film-Krimineller mit Schusswaffe und Technik. In den allermeisten Fällen führt er nicht mehr als Gummihandschuhe und einen großen Flachschraubenzieher mit sich, mit denen er Fenster, Fenstertüren und sonstige Hauszugänge aufhebelt.

Dagegen hilft Folgendes:

  1. Garagentore. Sie werden oft sträflich vernachlässigt. Denn hinter dem Tor befinden sich zumindest teure Fahrzeuge. Zudem oftmals nicht minder kostbares Werkzeug für Haus und Garten. Vor allem Letzteres lieben Einbrecher, denn es lässt sich gut zu Geld machen. Noch dramatischer wird das Ignorieren der Garage, wenn sie einen direkten Hauszugang hat. Hier gibt es mittlerweile sehr gute technische Lösungen in Form von einbruchshemmenden Garagentoren.
  2. Pilzkopfzapfen. Die meisten Fenster und Fenstertüren verriegeln über zylindrische Zapfen im Rahmen. Werden diese punktuell (Stichwort Schraubendreher) zu stark belastet, geben sie in Sekundenbruchteilen nach. Pilzkopfzapfen beheben dieses Problem, indem sie sowohl längs wie quer in die Verriegelungselemente des Rahmens greifen. Ihre T-Form lässt sich nicht mehr aushebeln.
  3. Hochwertige Schlösser. Die Vordertür ist, weil sie in der Regel von der Straße aus einsehbar ist, seltener ein Angriffsziel. Wenn darin allerdings ein Schließzylinder der günstigsten Variante steckt, haben es Profis nicht minder leicht als bei zylindrischen Fensterverriegelungszapfen. Hier sollte zumindest ein hochwertiger Zylinder verbaut werden
  4. Kellerschachtabdeckungen. Sie werden ebenfalls häufig vernachlässigt. Dabei muss sich hier ein Einbrecher nur bücken, um arbeiten zu können. Falls die Kellerfenster ebenerdig sind, sollten sie ebenfalls Pilzkopfzapfen besitzen. Liegen sie jedoch in einem Schacht unter Erdniveau, sollte der mit einem stählernen Gitter abgedeckt sein. Dieses muss verankert werden. Entweder in geschraubter Form oder so, dass eine lösbare Verriegelung (Stichwort Fluchtweg) nur vom Hausinneren betätigt werden kann.
  5. Bewegungsmelder. Einbrecher wollen nur eines: Unbemerkt und blitzschnell agieren. Bewegungsmelder nehmen ihnen diese Deckung durch viel Licht. Idealerweise kann ein Haus bei Nacht ringsherum hell ausgeleuchtet werden.
  6. Smart Home. Vor allem die automatisierte Steuerung von Rollläden und Beleuchtungen ermöglicht eine tiefgreifende Anwesenheitssimulation – nur ein verschwindend geringer Einbrecher-Bruchteil schlägt zu, wenn er vermutet, von Bewohnern überrascht zu werden.

Tatsächlich genügen diese Techniken bereits, um das Einbruchsrisiko immens zu senken. Wer es noch ein bisschen weiter verringern möchte, kann Fenster und Fenstertüren mit schlagzähen Innenbeschichtungen wählen bzw. diese als Folie nachrüsten lassen. Dann ist es nicht einmal mehr ohne Weiteres möglich, den „rabiaten Weg“ per Hammer zu wählen – auch wenn der wegen der enormen Lautstärke sowieso nur von wenigen Einbrechern genommen wird.

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3. Wohlverhalten – das mächtigste Hausbesitzerschwert

Allerdings muss klar sein, dass selbst die beste Schutztechnik nichts bringt, wenn die Bewohner sich nachlässig verhalten. Erst das Zusammenspiel von Technik und umsichtigem Verhalten sorgt für echten, nachhaltigen Einbruchschutz. So geht es:

  1. Gelebte Nachbarschaft. Die Nachbarn müssen nicht die besten Freunde sein. Aber das Verhältnis sollte zumindest so gut sein, dass man verdächtiges Verhalten bemerkt und handelt und nicht nur ignoriert. Und: Wenn man länger abwesend ist, sollte man das mit den Nachbarn auch kommunizieren, damit diese die Augen offenhalten und einen Einbrecher-Van nicht nur für Handwerker halten.
  2. Abschließen. Selbst wenn man das Haus nur für die berühmten „fünf Minuten“ verlässt, sollten alle gekippten Fenster geschlossen und die Haustür und das Garagentor verriegelt werden. Wichtig: Wird das nachweislich unterlassen, wird die Hausratversicherung höchstwahrscheinlich nichts zahlen.
  3. Keine draußen versteckten Schlüssel. Einbrecher kennen die allermeisten Verstecke – besonders, wenn sie im Netz als „super geheim“ herausposaunt werden.
  4. Ordnung. Zumindest sollten durch die Fenster keine verlockenden (=transportablen) Wertgegenstände im Haus sichtbar sein. Bei längerer Abwesenheit muss die Post von Nachbarn angenommen oder so lange abbestellt werden.
  5. Informationsgeiz. Niemals sollte man Abwesenheit im Internet an die große Glocke hängen. Vor allem dann nicht, wenn das Social-Media-Profil auch noch frei einsehbar ist und die Adresse liefert.

Und immer sollte man misstrauisch sein. Viele Einbrecher nutzen auch Tricks an der Haustür, etwa Überrumpelungstaktiken. Das gilt besonders bei älteren Menschen – dagegen kann es bereits helfen, am Türschild nur den Anfangsbuchstaben des Namens zu nennen, damit kein „alt“ klingender Name Rückschlüsse zulässt – beispielsweise „H. Mustermann“ statt „Heinz Mustermann“.

Bildquelle: Pixabay.com © fbhk

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Dieser Artikel behandelt das Thema Einbruchschutz.

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